#2 Kinder Coaching, Teamplay & Tilt Modus

Podcast Zusammenfassung:

Podcast Folge 2 – Ernährung, Training, Taktik und der Blick hinter die Kulissen

In der zweiten Podcastfolge steigen Yannik und Clinton tiefer in den Alltag als Trainer, Spieler und Familienmenschen ein. Zwischen ehrlichen Anekdoten, fachlichem Input und ein bisschen Murmel-Chaos entsteht ein Gespräch, das zeigt, wie komplex – aber auch wie spannend – der Weg im Padel und Tennis wirklich ist.

Frühstück und Energie für lange Trainingstage

Der Einstieg beginnt mit einer sehr praktischen Frage:
Wie bereitet man sich eigentlich auf einen Acht-Stunden-Tag auf dem Platz vor?

Yannik beschreibt den typischen Traineralltag: morgens mit den Kindern, wenig Zeit, dann direkt auf den Court – coachen, mitspielen, organisieren. Acht Stunden vergehen oft schneller, als man denkt. Clinton erzählt, dass er mittlerweile deutlich disziplinierter mit seiner Ernährung umgeht als früher. Der Tag startet fast immer mit schwarzem Kaffee oder Espresso und einem großen Glas Wasser. Oft isst er zunächst gar nichts und greift später zu Rührei mit Vollkorn- oder Nussbrot, gern auch selbstgebacken.

An guten Tagen nimmt er zusätzlich gesunde Snacks mit: Möhren, Datteln oder Brot mit Dattelcreme. An schlechten Tagen landet man dann doch mal bei Bäckerei, Subway oder sogar KFC – vor allem, wenn man ständig an Fast-Food-Ketten vorbeifährt und eigentlich zu wenig gegessen hat. Clinton spricht offen darüber, dass Disziplin im Alltag eine mentale Sache ist. Je weniger vorbereitet man ist, desto größer wird die Versuchung unterwegs.

Der wichtige Punkt: Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, sich grundsätzlich wohlzufühlen, Energie zu haben und nicht dauerhaft gegen den eigenen Körper zu arbeiten.

Wie bereitet man Training wirklich vor?

Danach geht es um ein zentrales Thema:
Wie plant man eigentlich Gruppentraining?

Clinton erklärt, dass er nicht mit starren Acht-Wochen-Plänen arbeitet, sondern in kleinen Mikrozyklen denkt. Das heißt: Er hat ein Grundgerüst im Kopf, reagiert aber stark auf Situationen. Spieler fehlen, kommen neu dazu, haben Turniere, schlechte Schultage, emotionale Phasen oder plötzlich große Fortschritte. Training ist für ihn kein starres Programm, sondern ein lebendiger Prozess.

Bei Spielern mit Turnieren verändert sich der Fokus innerhalb der Woche: Anfangs mehr Aufbau, später mehr Matchnähe. Gleichzeitig spielt Kommunikation eine große Rolle. Man kann nicht immer „auf Brechstange“ trainieren, wenn jemand mental oder körperlich gerade nicht aufnahmefähig ist.

Clinton sieht seine Stärke darin, auf Menschen zu reagieren, statt nur Pläne durchzuziehen. Große, durchstrukturierte Trainingskonzepte schreibt er selten. Stattdessen nutzt er Notizen, Erfahrung und den direkten Austausch mit Athletiktrainern, wenn es um Belastung und Verletzungsprävention geht.

Gerade im Team-Setting mit mehreren Trainern entsteht ein besonders spannender Workflow: Einer kümmert sich um Technik und Taktik, der andere um Athletik, Belastung und Volumen – alles abgestimmt aufeinander.

Training vs. Matchplay – die richtige Frequenz

Ein wichtiger Punkt der Folge ist die Balance zwischen Training und Spielen.

Viele Padelspieler spielen fast nur Matches. Das fühlt sich gut an, bringt aber ab einem gewissen Niveau nicht mehr automatisch Fortschritt. Clinton erklärt, dass Wiederholungen entscheidend sind. Wer 200 Volleys hintereinander spielt, bekommt eine ganz andere Sicherheit, als wenn jeder Ball im Match zufällig anders kommt.

Statt nur zu zocken, empfiehlt er bewusst einfache, klare Setups:

  • Cross-Rallys mit festen Abfolgen
  • lange Ballwechsel ohne Risiko
  • Fokus auf Flugbahn, Länge und Fehlerquote
  • Konzentrationsphasen über mehrere Minuten

So trainiert man nicht nur Technik, sondern auch mentale Stabilität. Ziel ist es, Bewegungen zu automatisieren, bevor sie im Match unter Druck funktionieren sollen.

Gerade für Anfänger ist das besonders wichtig. Wer sich früh falsche Bewegungen „unbewusst kompetent“ aneignet, muss sie später mühsam wieder aufbrechen. Clinton erklärt dazu die vier Lernstufen: unbewusste Inkompetenz, bewusste Inkompetenz, bewusste Kompetenz und am Ende unbewusste Kompetenz. Je früher man sauber arbeitet, desto leichter wird der Weg.

Einfachheit schlägt Komplexität

Ein weiterer Gedanke: Übungen müssen nicht kompliziert sein.

Manchmal reicht es, zwanzig Minuten durch die Mitte zu spielen, um Beinarbeit, Ausholen, Timing und Stabilität zu trainieren. Auch monotone Übungen haben ihren Wert, wenn man sie bewusst gestaltet: mit Zielen, Höhenvariation, Länge oder festen Treffpunkten.

Im Volleybereich zum Beispiel kann man trainieren, immer lang zu spielen, damit der Gegner aus der Rückhand verteidigen muss. Solche kleinen Regeln verändern sofort das Spielverständnis.

Training ist nicht das, was spektakulär aussieht – sondern das, was Wiederholung und Klarheit bringt.

Taktik: Scheibennummerierung im Padel

Ein sehr spannender Teil der Folge ist der taktische Input zur Scheibennummerierung.

Die Glasscheiben am Court werden von außen gezählt:
Vom Gitter aus beginnt man mit Scheibe 1, dann 2 seitlich, danach 3, 4, 5 an der Rückwand – gespiegelt auf der anderen Seite.

Der taktische Gedanke dahinter:
Man greift bevorzugt die ungeraden Scheiben (1, 3, 5) an und verteidigt eher über die geraden (2, 4).

Warum? Weil die Winkel, Geschwindigkeiten und Rebounds dort kontrollierbarer sind. Viele Spieler schlagen unbewusst auf falsche Scheiben und verschenken dadurch Struktur im Spiel. Wer das versteht, bekommt automatisch bessere Positionierung und ruhigere Ballwechsel.

Hier entsteht schon die Idee, in Zukunft visuelle Inhalte mit Taktikboards oder Videos zu machen, um diese Konzepte noch klarer zu zeigen.

Videoanalyse und moderne Tools

Auch das Thema Videoanalyse kommt auf.

Statt Training ständig zu unterbrechen, nutzt Clinton Delay-Video: Die Kamera nimmt auf und spielt die Szene wenige Sekunden später wieder ab, während weiter trainiert wird. So sieht der Spieler direkt seine Bewegung, ohne lange Pausen.

Das hilft enorm, weil visuelles Feedback sofort mit dem Gefühl im Körper verbunden wird. Gerade für Gruppen oder Kinder ist das ein riesiger Motivationsfaktor und beschleunigt Lernprozesse.

Mit Ballmaschine, Live-Coaching und kurzen Analysefenstern entsteht ein modernes Trainingssetting, das nicht langweilig, sondern dynamisch bleibt.

Warum Clinton seinen Heimplatz aufgegeben hat

Zum Schluss erzählt Clinton die Geschichte, warum er seinen Tennis-Heimplatz verlassen musste.

Ursprünglich arbeitete er mit Marius in Neuss, doch freitags gab es Hallenkonflikte mit festen Gruppen. Um Fahrzeit zu sparen, wechselte er mit seinen Schülern in eine andere Halle Richtung Mettmann. Dort entstand eine kleine Trainingsbase – bis die Halle verkauft wurde.

Das Objekt hätte sogar Potenzial für eine Padel-Academy: mehrere Courts, Gym, Sauna, Apartments. Leider fehlt dafür aktuell das passende Investment. Am Ende verteilte Clinton seine Stunden neu, arbeitet nun intensiver Montag bis Donnerstag und nutzt den Freitag flexibler für Podcast, Padel und Weiterentwicklung.

Ausblick und Abschluss

Die Folge zeigt, wie viele Themen im Alltag eines Trainers zusammenkommen: Ernährung, Planung, Psychologie, Technik, Taktik, Organisation, Infrastruktur und persönliche Entwicklung.

Yannik und Clinton merken selbst, wie viele neue Ideen im Gespräch entstehen – mehr, als man in einer Folge abarbeiten kann. Deshalb soll der Podcast weiter wachsen: mit Fragen der Community, taktischen Deep-Dives, Videoformaten und regelmäßigen Episoden.

Am Ende bleibt vor allem eines hängen:
Gutes Training ist kein Zufall. Es entsteht aus Klarheit, Wiederholung, Offenheit und der Bereitschaft, ständig weiter zu lernen – egal ob als Spieler oder als Coach.